IPv6 – Neuerungen, Erklärung, Anwendung, Tipps

Seit einigen Monaten geistert immer wieder das Wort IPv6 durch die Medien, viele Leute reden davon, aber eine Erklärung / Definition den meisten Menschen fehlt, will ich als Datenreisender hier mal was dazu schreiben und versuchen das zu erklären, aber so, dass man auch als Nicht-IT-Mensch ein kleinen Funken versteht. Fangen wir aber erst einmal ganz von vorne an, nämlich bei den Grundlagen.

Was heißt IP?

IP steht für Internet Protocol, doch wozu brauchen wird dies? Um im Internet miteinander kommunizieren zu können, genauer gesagt um Daten(-Pakete) übermitteln zu können, brauchen wir immer einen Absender und einen Empfänger. Genau wie ein Post-Paket, wo eine Absender-Adresse und eine Empfänger-Adresse steht, ist es auch beim Datenverkehr im Internet, nur das dies dort mit IP-Adresse geschieht. Das heißt, im Normalfall erhält jeder Teilnehmer am Internet eine IP-Adresse, wobei zu unterscheiden ist, dass fest verbundene Geräte im Internet feste IP-Adressen haben (z.B. Server/Router die in einem Rechenzentrum stehen) und die Internet-Benutzer meist dynamische IP-Adressen haben (bei jeder Einwahl ins Internet bekommt der Kunde eine neue vom Zugangs-Provider zugewiesen). IP-Adressen sind kurz um gesagt, wie Telefonnummern im Web.

Was bedeutet IPv4?

Bis jetzt sind diese IP-Adressen im IPv4 Format, was der 4. Version des Internet Protocol entspricht und dessen Eigenschaften im Jahre 1981 im RFC791 definiert worden. Bei IPv4 werden 32 Bit Adressen genutzt (je Block 8-Bit) und selbst der nicht nicht so erfahrene Benutzer eines PCs kennt bestimmt die typischen IPv4 Adressen z.B. vom heimischen Router, welche meist 192.168.2.1 ist.

Und wo ist der Unterschied zu IPv6?

Nichts ist unendlich – das gilt auch für die knapp 4,3 Milliarden IPv4 Adressen, welche realisierbar sind bzw. waren, denn die jeweiligen NICs haben die letzten freien Bereiche vergeben und so heißt es nun, eine neue Generation muss her, die mehr neue Möglichkeiten bietet und diese heißt IPv6. IPv6 bietet 128-Bit Adressen und ist die 6. Version des Internet Protocol, die 340 Sextillionen Internet-Adressen bietet und damit erst einmal jede Menge Leute auf dieser (Internet-)Welt versorgt werden können.

Doch wie sieht nun eine IPv6 Adresse aus? Wer einmal in der Windows Eingabeaufforderung ipconfig eingibt, der sieht im Normalfall seine normale IPv4 Adresse und dann steht am Ende meist etwas von einem Tunnel-Adapter gefolgt von der IPv6 Adresse, der IP-Adresse der Zukunft. Aussehen könnte diese z.B. so:

2001:0:5ef5:79fb:cfe:39fc:3f57:fdf5

Was fällt uns auf? Bei IPv6 haben wir nun hexadezimale Werte, in Version 4 des Protokoll nur dezimale Werte, dazu kommt, dass wir nun 8 Blöcke (a 16 Bit) statt wie vorher 4 Blöcke haben und sich eine IPv6 Adresse – meiner Meinung nach – damit nur sehr schlecht merken lässt. Ein Vorteil ist aber, dass der wahnsinnig große Adressraum nun ausreicht, so ziemlich vielen Dingen aus unserem Leben eine feste IP-Adresse zu geben, egal ob es nun Maschinen in Werken sind, die so untereinander kommunizieren können oder der Zugriff auf die heimische Energie-Verwaltung um z.B. die Kaffeemaschine einzuschalten. Ganz wichtig zu erwähnen sind hier auch die modernen Smartphones, welchen sich damit auch neue Wege öffnen. IPv6 bringt aber auch eine automatische Konfiguration von IPv6-Adressen mit und damit könnte theoretisch die automatische Zuteilung via DHCP in einigen Fällen überflüssig werden. Übrigens, auch der Sicherheitsstandard IPSec ist ein Teil des IPv6 Standard.

Was heißt IPv6 nun für den privaten Benutzer?

Nun ich behaupte jetzt einfach mal, es heißt im Moment gar nichts, denn der normale PC-Nutzer der im Internet surft, muss sich in den meisten Fällen keine Gedanken machen. Viele Betriebs-Systeme sind IPv6 fähig, darunter zählt u.a. auch

  • Windows XP (via Eigenschaften von LAN-Verbindung installierbar)
  • Windows XP (ab Service-Pack 2)
  • Windows Vista
  • Windows 7
  • Linux (ab Kernel 2.2)
  • Mac OS X  (ab 10.2)

Meine Empfehlung lautet dahingehend schlicht und einfach momentan nur, wenn jemand die Anschaffung neuer Hardware z.B. in Form eines Routers tätigt, dann sollte der IPv6 tauglich sein, natürlich jegliche andere Hardware und Software die in Verbindung mit dem Internet steht ebenso.

Übrigens, wer gerne kleine Netzwerke im Büro oder zu Hause betreibt, der kann mit IPv6 auch einiges anstellen. Bekommt man momentan vom Internet-Zugangsprovider nur eine IP-Adresse bei der Einwahl, so bekommt man dann ein kleines Teilnetz zugewiesen. Das heißt das Fummeln im Router bei den NAT-Einstellen fällt für die Experten dann weg, denn es besteht die Möglichkeit meinem Netzwerk-Drucker, der IP-Webcam, Media-Player usw. direkte Adressen zuzuteilen.

Kommt Zeit kommt Rat – oder der Dual Stack Betrieb

Sollten dann irgendwann die Zugangsprovider umstellen auf ausschließlich IPv6, so wird aber bei dem einen oder anderen Internet-Nutzer vermutlich neue Hardware notwendig sein, sofern sich die vorhandene nicht via Firmware-Update IPv6-fähig machen lässt.

Aber keine Angst, so schnell wird dies meiner persönlichen Meinung nach nicht auf uns zukommen. Einige Anbieter starten nun erst einmal den Parallel-Betrieb auch Dual-Stack Betrieb genannt, wo IPv4 undIPv6 parallel läuft. Das kann man sich so vorstellen, dass bei der Einwahl der jeweilige Provider eine IPv4 Adresse vergibt, aber auch mindestens eine IPv6 Adresse, was dem Bastler schon heute die Möglichkeit gibt, via IPv6 erreichbar zu sein.

Tipp: Wer schon heute mal ein wenig seine IPv6 Konnektivität testen will, der besuche diese Homepage.

Sebastian ist IT-Techniker sowie Berater aus Leidenschaft. Er betreibt einen Computerservice in Leipzig, bei dem die individuellen Wünsche & Visionen des Kunden im Mittelpunkt stehen.

One Response
  • Markus
    Okt 21, 2013

    Gut erklärt und auch für einen „Nicht-IT-Mensch“ nachvollziehbar.

    Gruß
    Markus

    Markus Okt 21, 2013
    Antworten

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