Richtiges / endgültiges löschen von Festplatten & Speicherkarten

Heute widmen wir uns dem Thema, sicheres löschen von Festplatten (und anderen Datenträgern) bzw. generell dem Thema endgültiges löschen von Datenträgern. Denn ich kann es nur immer und immer wieder sagen, dass hier Vorsicht geboten sein sollte. Wer meint, die gelöschten Fotos z.B. von der Speicherkarte oder Festplatte sind für immer weg, der kann sich ganz schnell irren, gerade beim Verkauf von Digitalkameras ein heikles Thema. In meinem täglichen Berufs-Alltag stelle ich fest, dass wirklich extrem viele Leute an diversen Stellen fahrlässig mit ihren eigenen Daten umgehen. Das fängt an bei Ärzten, die einen PC bzw. dessen Laufwerke nicht endgültig sicher löschen und geht hin bis zu anderen Branchen. Das Spektrum zieht sich dann bis hin zum Verkauf von Handys und Digitalkameras auf Online-Plattformen. Es gibt da tausend verschiedene Möglichkeiten, doch versuchen wir das mal zu ergründen.

Wo liegt das Problem beim löschen von Daten?

Nun man kann nicht verlangen, dass jeder Mensch ein Fachmann auf jedem Gebiet ist, Fakt ist aber, dass ziemlich fast jeder Otto-Normalverbraucher wichtige Dokumente oder Bilder auf Festplatten, Speicherkarten oder sonstigen Datenträgern löscht und denkt, damit habe man nun sämtliche Inhalte unwiderruflich gelöscht. Realität ist jedoch, dass die Dateien zwar für den Benutzer nicht mehr sichtbar sind, er auch wieder freien Speicher gewonnen hat, die Daten aber noch auf der Festplatte sind. Einfach erklärt werden beim Löschvorgang die Dateien als nicht mehr existent deklariert (also man sieht diese nicht mehr) und der Bereich auf der Festplatte, welcher von den gelöschten Dateien in Anspruch genommen wurde, wird einfach wieder als frei deklariert, so dass dieser überschrieben werden kann.

Was heißt das nun im Umkehrschluss?

Im Umkehrschluss kann man also sagen, dass die gelöschten Dateien noch da sind und mit spezieller Software in den meisten Fällen wiederhergestellt werden kann. Je länger der Löschvorgang her ist, desto geringer werden allerdings auch die Chancen Dateien vollständig wiederherzustellen, dies muss aber nicht immer zutreffen.

Wie schütze ich mich bei Speicherkarten?

In jedem Mobiltelefon, in modernen Diktiergeräten und besonders in Digitalkameras sind sie zu finden, die guten Speicherkarten. Ob nun SD-Karte oder CF-Karte es spielt keine Rolle unsere Daten in Form von meist Fotos sind darauf enthalten und auch ein Formatier-Vorgang in der Kamera löscht diese nicht für immer und ewig. So ist es nicht verwunderlich, dass man so ziemlich auf jeder gebrauchten Kamera die man im Web ersteigert noch Fotos wiederherstellen kann. Und diese Fotos berichten auch gerne mal vom Treiben im Schlafzimmer. 🙂 Ein anderes Beispiel ist, wenn man ein gekauftes Smartphone zurück sendet (Wandlung/Umtausch) oder zur Reparatur einschickt, dann sollte auch die Speicherkarte für immer gelöscht werden. Ausnahme ist hier natürlich wie sehr oft in der Praxis anzutreffen, dass viele Reparaturfirmen extra hinweisen, keine Speicherkarte mit einzusenden.

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Der einfachste Weg zum Schutz ist in diesem Fall vereinfacht gesagt, die Speicherkarte von A-Z mit Nullen zu beschreiben. Dies kommt daher, da es in der Digitaltechnik generell nur den Zustand 0 und 1 gibt (manche Menschen kennen das auch vom Gaspedal am Auto *ROFL*). Das hat wiederum den Hintergrund, dass damit die ungenutzten frei gewordenen Bereiche, wo noch wiederherstellbare Daten liegen, einfach sinnlos überschrieben werden und damit keine Wiederherstellung von Daten mehr möglich ist. Und wie macht man das am einfachsten? Unter Windows mit einer Software die sich Eraser nennt. Dazu muss man auch nicht viel beschreiben, die Software installieren und dann mittels Kontextmenü das Laufwerk shreddern. 😉

Wie schütze ich mich bei Festplatten?

Bei Festplatten sieht das dann alles schon wieder ein wenig komplexer aus, dass Prinzip mit dem überschreiben der kompletten beschreibbaren Bereiche mit 0 und 1 ist zwar gleich, aber es gibt hier verschiedene Methoden die man in der entsprechenden Spezial-Software zur Löschung auswählen kann. Nur um mal paar Namen zu nennen:

  • One pass zeros: 1 Durchlauf, geht schnell aber geringe Sicherheit
  • One pass random: 1 Durchlauf, geht schnell aber geringe Sicherheit
  • US DoD 5220.22-M: 3 Durchläufe, langsam aber hohe Sicherheit
  • German VSITR: 7 Durchläufe, langsam aber hohe Sicherheit
  • Russian GOST p50739-95: 5 Durchläufe, langsam aber hohe Sicherheit
  • Gutmann Methode: 35 Durchläufe, extrem langsam aber maximale Sicherheit

Ich habe da zwar „geringe Sicherheit“ geschrieben, aber für den Otto-Normal User reicht diese Variante aus und die Daten sind damit auch verschwunden, allerdings dürfte vielleicht dem einen oder anderen einleuchten, dass sich wie bei der US DoD Methode (was übrigens für US Department of Defense steht) das Verteidigungsministerium über dem großen Teich nicht an Zufälle glaubt und extremst sicher gehen will. Ich kann auch aus der Praxis mal mit beisteuern, dass man bei der Gutmann Methode den PC gerne mal 2,5 Tage laufen lassen muss, bis die Festplatte gelöscht ist.

Welche Software hilft beim endgültigen löschen der Festplatte?

Software gibt es einige am Markt, natürlich OpenSource Software, aber auch günstige bis zur extrem teuren Spezial-Software. Am Ende machen fast alle Programme im Endeffekt den gleichen Job, nämlich nach einer der oben aufgezählten Methode die Festplatte löschen. Ich beschränke mich hier mal auf die kostenlose Software, die da wäre:

Vom Grundsatz ist das Prinzip bei allen gleich, die Software als Live-CD booten und dann gehts los! Wie das bei Windows Software mit dem Hauptlaufwerk klappen soll, wenn man sich keine BartPE Disk bastelt, ist mir aber schleierhaft, das taugt dann wohl nur was für externe Datenträger.

Mein Tipp: Secure Erase

Secure Erase ist nicht nur eine eben von mir benannte Software, sondern  es gibt auch ein ATA Kommando Secure Erase und mit diesem kann man die Festplatte endgültig sicher löschen. Wiederum dieses nutzt auch die gleichnamige Software und daher der Name. Bei dieser Art von Löschung wird die Festplatte gelockt mit Passwort, dann werden die Bereiche überschrieben und nach einem Unlock hat man eine gelöschte Festplatte und dies in einem Bruchteil der Zeit, die irgend eine andere Methode dauern würde. Zu der Methode kann man sich auch mal ein wenig in diesem PDF hier belesen, wen es interessieren sollte. Und die Linux User haben es gut, die können Secure Erase mittels hdparm ansteuern bzw. somit eine sichere Löschung auslösen, aber dazu schreib ich jetzt keine Anleitung.

Sebastian ist IT-Techniker sowie Berater aus Leidenschaft. Er betreibt einen Computerservice in Leipzig, bei dem die individuellen Wünsche & Visionen des Kunden im Mittelpunkt stehen.

3 Responses
  • Markus
    Nov 26, 2013

    Besten Dank für die nützlichen Tipps zum endgültigen löschen von Festplatten & Speicherkarten.

    Leider erhält man beim Link zu Secure Erase, inkl. der PDF-Datei einen Error 404.

    Gruß
    Markus

    Markus Nov 26, 2013
    Antworten
  • Susann
    Jan 1, 2014

    Warum muss man das mehrmals machen? Liegt das an unbeschriebenen Flächen bei Festplatten, die da teilweise magnetisiert sein können und evt noch Daten enthalten? Eigentlich gibt’s ja wie Du schreibst nur 0 und 1.
    Wenn man dafür kein Tool hernehmen will könnt man auch die FP einfach mit Filmen voll machen.

    Susann Jan 1, 2014
    Antworten
    • sebastian
      Jan 13, 2014

      In der Digitaltechnik gibt es nur 0 und 1. Bei der Festplatte geht es ja im Endeffekt darum, wenn Du eine Datei löschst, dann wird der Bereich wo die Datei lag nur wieder zum beschreiben freigegeben, die Daten bleiben aber erhalten, wiederum das macht es Datenrettungs-Software möglich, die Daten wiederherzustellen. Sicher kann man auch versuchen z.B. ein dickes ISO File z.B. von einem Linux auf die Platte zu legen, dann werden die Bereiche theoretisch überschrieben, aber es gibt eben keine Garantie, dass genau die Bereiche sofort wieder überschrieben werden, die Du für immer vernichten willst.

      sebastian Jan 13, 2014

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